• Streichenberg und Partner

OTC-Umteilung

Aktualisiert: 20. Okt 2020

Aufgrund der Umteilung bisher apothekenpflichtiger Arzneimittel wird sich der SL-Publikumspreis um bis zu 56.3 Prozent erhöhen. Ursächlich ist der unterschiedliche Vertriebsanteil für verschreibungspflichtige und nicht ver-schreibungspflichtige Arzneimittel. Diese Preiserhöhung steht in Widerspruch zu den Bemühungen des BAG, die Preise von SL-Arzneimitteln zu senken. Mit diesem PharmaCircular informieren wir Sie über die Auswirkungen der Umteilung auf die Publikumspreise von SL-Arzneimitteln.


Auf entsprechende Anfrage beteuert das BAG, dass die Umteilung bisher apothekenpflichtiger Arzneimittel keine Auswirkungen auf die Spezialitätenliste (SL) habe. Die Aufhebung der Abgabekategorie C belaste die obligatorische Krankenversicherung (OKP) nicht. Die Umteilung in eine andere Abgabekategorie beeinflusse weder die Wirksamkeit, die Zweckmässigkeit noch die Wirtschaftlichkeit eines Arzneimittels. Die Kriterien für die Aufnahme in die SL gelten für alle Arzneimittel ungeachtet ihrer Abgabekategorie – so die Begründung des BAG.



Zusätzliche Kosten zulasten der OKP

Diese rein formale Betrachtung greift zu kurz. Der Publikumspreis eines SL-Arzneimittels setzt sich zusammen aus dem Fabrikabgabepreis und dem Vertriebsanteil. Für SL-Arznei­mittel erfolgt die Berechnung des Vertriebsanteils unterschiedlich – je nachdem, ob das Arznei­mittel verschreibungspflichtig ist oder nicht. Bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln beträgt der Vertriebsanteil 80% des Fabrikabgabepreises. Anders bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, wo der Vertriebsanteil aus einem prozentualen und einem packungsbezoge­nen Zuschlag besteht. Bei einem Fabrikabgabepreis von weniger als CHF 880 beträgt der prozentuale Zuschlag 12% des Fabrikabgabepreises. Der packungsbezogene Zuschlag beträgt CHF 4. Er wird um weitere CHF 4 erhöht, wenn der Fabrikabgabepreis die Schwelle von CHF 5, 11 oder 15 übersteigt.


Die Beispiele in der nachfolgenden Tabelle zeigen die Auswirkungen der Umteilung. Die Preisunterschiede widerlegen die Annahme der Behörden, wonach die Umteilung keine Auswirkungen auf die Kosten habe. Die Unterschiede sind erheblich. Sie betragen zwischen CHF 1 und 4.55. Dies entspricht einer prozentualen Erhöhung des Publikumspreises von bis zu 56 Prozent. Diese zusätzlichen Kosten gehen zu Lasten der OKP.


Tabelle: Die Auswahl der Arzneimittel beruht auf der Vorabinformation von Swissmedic gemäss Medienmitteilung vom 16. November 2018. Die Berechnung erfolgte mit dem Umrechnungsrechner der Spezialitätenliste, abrufbar unter http://www.spezialitätenliste.ch/LOACalculator.aspx. Geringfügige Abweichungen zum SL-Publikumspreis sind möglich.



Beurteilung der Wirtschaftlichkeit

Beim therapeutischen Quervergleich (TQV) sind Arzneimittel einer anderen Abgabekategorie nicht zu berücksichtigen. Nach Auffassung des Bundesverwaltungsgerichts weist die unterschiedliche Abgabekategorie auf ein unterschiedliches Risikoprofil eines Wirkstoffes hin. Als Vergleichsarzneimittel für den TQV mit einem verschreibungspflichtigen Arzneimittel sind nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel somit nicht beizuziehen. Mit dieser Begründung lehnte es das Bundesverwaltungsgericht ab, für das nicht-ver­schreibungs­pflichtige Squa-Med die verschreibungspflichtigen Sebolox und Sebiprox als Vergleichsarzneimittel zu berücksichtigen. Im Resultat entspricht dies auch der Praxis des BAG. Damit beeinflusst die Umteilung auch die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit – selbst wenn die Überprüfung der Aufnahmebedingungen formal nach den gleichen Kriterien erfolgt.



Folgen

Die Auswirkungen der Umteilung auf den Publikumspreis sind vom Gesetzgeber weder bedacht – und so auch kaum gewollt. Sie stehen in offensichtlichem Widerspruch zu den Bemühungen des BAG, im Rahmen der periodischen Überprüfung der Aufnahmebedingungen die Preise der SL-Arzneimittel zu senken.



Interessiert an weiteren Informationen oder möchten Sie mit uns diskutieren? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf


Dr. Christoph Willi, LL.M.

Partner | christoph.willi@streichenberg.ch


Matthias Stauffacher

Partner | matthias.stauffacher@streichenberg.ch






36 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen